SEC-Vorsitzender Paul Atkins sagte am 2. September gegenüber Fox Business, der Senat werde am 15. September über den CLARITY Act abstimmen, und setzte damit erstmals ein konkretes Datum für ein Vorhaben, das seit Monaten auf der legislativen Agenda festhängt. "Ich erwarte und hoffe, dass er vom Senat verabschiedet und letztlich dem Präsidenten zur Unterschrift vorgelegt wird", sagte Atkins in dem Interview.
Die Aussage ist bedeutsam, weil der CLARITY Act — formal H.R. 3633 — seit der Zustimmung des Repräsentantenhauses mit 294–134 im Juli 2025 in verfahrensrechtlicher Schwebe steckt. Der Bankenausschuss des Senats brachte am 14. Mai 2026 seine eigene Version mit 15–9 Stimmen voran, doch die Abstimmung im Plenum wurde wiederholt verschoben. Mehrheitsführer John Thune hatte eine Abstimmung vor der Augustpause zugesagt, was nicht eintrat. Das Datum 15. September gibt der Kammer erstmals ein konkretes Ziel.
Die 60-Stimmen-Hürde bleibt das zentrale Hindernis
Die Zahlen haben sich nicht geändert. Die Republikaner halten 53 Sitze im Senat, und zur Überwindung eines Filibusters sind 60 Stimmen nötig — mindestens sieben Demokraten müssen also die Seiten wechseln. Drei ungelöste Streitpunkte blockieren weiterhin eine überparteiliche Unterstützung. Der prominenteste betrifft Ethikbestimmungen im Zusammenhang mit den kryptobezogenen Einnahmen von Präsident Trump, die das Office of Government Ethics am 1. Juli für 2025 mit rund $1.4 billion bezifferte, darunter $635 million aus der Lizenzierung der Meme-Coin $TRUMP. Im Juli kursierte ein neuer Entwurf, der Regierungsbeamten verbieten würde, für Kryptowährungen zu werben oder davon zu profitieren, doch die Verhandlungen sind weiterhin ungelöst.
Ein zweiter Streitpunkt dreht sich darum, ob Plattformen wie Coinbase im vorgeschlagenen Rahmen Rendite — zinsähnliche Erträge auf Kundeneinlagen — anbieten dürfen. Bankenverbände und Kryptofirmen sind weiterhin uneinig darüber, wie Rendite eingestuft werden soll, und die Gesetzgeber haben diese Positionen noch nicht in Einklang gebracht.
Was das Gesetz bewirken würde
Der CLARITY Act schafft eine neue rechtliche Kategorie des "digital commodity" für Token, deren Wert sich von einer funktionierenden Blockchain ableitet, und überträgt die primäre Aufsicht an die CFTC. Token, die als Anlageverträge verkauft werden, bleiben bei der SEC. Das Gesetz sieht außerdem eine vorläufige Registrierung für Börsen und Broker vor, sodass diese tätig sein können, während die endgültigen Regeln ausgearbeitet werden. Für Anleger und Plattformen würde der Rahmen Klarheit darüber bringen, welche Vermögenswerte als Wertpapiere und welche als Rohstoffe behandelt werden — eine Unterscheidung, die derzeit eher von Durchsetzungsmaßnahmen als von Gesetzen abhängt.
Atkins signalisiert paralleles Vorgehen der SEC
Über den Abstimmungstermin hinaus deutete Atkins an, dass die SEC unabhängig voranschreitet. Die Behörde hat dem Weißen Haus einen Vorschlag übermittelt, um den Rahmen für die Verwahrung von Krypto-Vermögenswerten durch Anlageberater und Unternehmen zu klären. "Wir ändern die bisherigen Ansätze, um sie im Zeitalter von Blockchain und Krypto-Vermögenswerten zu aktualisieren und zu modernisieren", sagte Atkins. Die CFTC hat ebenfalls signalisiert, dass sie die Kryptopolitik unabhängig vom legislativen Zeitplan weiter gestalten wird.
Marktreaktion und Wahrscheinlichkeiten
Prognosemärkte spiegelten einen leichten Schub durch die Äußerungen von Atkins wider. Die Polymarket-Quoten für eine Unterzeichnung des CLARITY Act in Gesetzesform im Jahr 2026 stiegen nach dem Interview um rund 15 Prozentpunkte, wenngleich die Wahrscheinlichkeit unter 50% bleibt. Frühere Schätzungen von Bernstein hatten die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung auf 27% beziffert, während Galaxy Research ihre Prognose im Sommer von 50% auf 30% senkte.
Was schiefgehen könnte
Eine Abstimmung am 15. September ist keine Garantie für eine Verabschiedung. Die Streitpunkte zu Ethik und Rendite sind substanziell, und sieben demokratische Stimmen in einem polarisierten Senat zu sichern, bleibt unsicher. Scheitert die Abstimmung oder wird sie erneut verschoben, dürfte eine umfassende Gesetzgebung zu digitalen Vermögenswerten auf den nächsten Kongress übergehen, wobei eine Verabschiedung vor 2028 unwahrscheinlich ist. CFTC und SEC könnten die Lücke weiter durch Regelwerke füllen, doch die gesetzliche Klarheit würde fehlen.
Quellen
- [CryptoBriefing — SEC Chair expects Senate to pass CLARITY Act on September 15](cryptobriefing.com) — primary source
- [Briefs.co — Clarity Act Senate Vote Set for September 15](briefs.co) — secondary source
- [Blockchair — SEC Chair Paul Atkins confirms Senate vote on Clarity Act for September 15](blockchair.com) — secondary source