Die Monte dei Paschi di Siena hat auf den feindlichen Übernahmeversuch von Intesa Sanpaolo mit einer kühnen Gegenoffensive geantwortet: zwei freiwillige Tauschangebote auf Banco BPM und Banca Generali im Gesamtwert von 34 Milliarden Euro, die vollständig in MPS-Aktien zahlbar sind.
Der Vorstand der ältesten Bank Italiens genehmigte den Plan am 20.-21. August nach mehr als sieben Stunden Beratung mit 9 Ja-Stimmen bei 4 Enthaltungen von 13 Direktoren. Der Schritt fordert direkt das im Juni gestartete Tauschangebot von Intesa Sanpaolo über 30,6 Milliarden Euro für MPS heraus, das MPS stets abgelehnt hat.
Was die Angebote umfassen
Das erste Angebot richtet sich an Banco BPM, die drittgrößte Bank Italiens nach Aktiva, mit einem Wert von 25,3 Milliarden Euro. Jede Banco-BPM-Aktie würde gegen 1,567 MPS-Aktien getauscht. Das zweite Angebot richtet sich an Banca Generali, die Vermögensverwaltungstochter von Assicurazioni Generali, mit 8,72 Milliarden Euro, bei einem Umtauschverhältnis von 6,958 MPS-Aktien je Generali-Aktie.
Beide Angebote sind als freiwillig und freundlich strukturiert, das heißt, sie erfordern die Annahme durch die Aktionäre der Zielgesellschaften und werden nicht aufgezwungen. CEO Luigi Lovaglio beschrieb die Operation als Schaffung "einer Aggregation, die freundlich und nicht feindlich ist, weil wir von der Stärke dieses Projekts überzeugt sind". Die Zeichnungsfrist könnte nach Angaben des Unternehmens in der ersten Hälfte des Dezember 2026 beginnen und bis Mitte Februar 2027 enden.
Warum es wichtig ist
Wenn beide Transaktionen erfolgreich sind, käme das kombinierte Unternehmen laut Lovaglios Präsentation für Analysten auf eine Pro-forma-Marktkapitalisierung von rund 80 Milliarden Euro und würde zu den zehn größten Banken Europas zählen. Die Gruppe hätte mit über 2.600 Filialen das zweitgrößte Filialnetz Italiens und stünde bei der Kreditvergabe an Kunden an zweiter Stelle, wodurch nach Darstellung von MPS ein neuer nationaler Banken-Champion entsteht.
Lovaglio schlug zudem eine außerordentliche Dividende von 4 Milliarden Euro für die MPS-Aktionäre vor, teils in bar und teils in Aktien, neben der weitergehenden Zusage, zwischen 2026 und 2030 insgesamt 15 Milliarden Euro an Dividenden auszuschütten. Die Dividende und beide Tauschangebote würden die Zustimmung einer für den 29. Oktober angesetzten Hauptversammlung erfordern, bei der eine Zweidrittelmehrheit nötig ist.
Die Hürden auf dem Weg
Der Plan steht vor erheblichen Hindernissen. Crédit Agricole, die 29,3 Prozent an Banco BPM hält, hat eine Präferenz für eine eigene Fusion zwischen BPM und Crédit Agricole Italia statt für das Angebot von MPS signalisiert, das aus Sicht von BPM als nicht freundlich eingestuft würde. Assicurazioni Generali kontrolliert 50,17 Prozent an Banca Generali und hat die Transaktion noch nicht befürwortet, sondern lediglich erklärt, sie werde sie "prüfen".
MPS ist wegen des anhängigen Angebots von Intesa an eine Passivitätsregel gebunden, sodass jede Übernahme die Zustimmung der Aktionäre erfordert. Zu den Großaktionären des Unternehmens zählen die Familie Del Vecchio (17,5 Prozent), die Gruppe Caltagirone (10,2 Prozent), BlackRock (5 Prozent) und das italienische Schatzamt (4,8 Prozent). Zwei davon, Delfin und Caltagirone, opponierten im April gegen die Neubesetzung des Vorstands, was Fragen zu ihren Abstimmungsabsichten aufwirft.
Intesa Sanpaolo hat nach von RaiNews zitierten Quellen angedeutet, zu prüfen, ob sie Anmerkungen bei der italienischen Marktaufsicht Consob einreicht, um die Marktintegrität und die Informationsrechte der Aktionäre zu schützen. Auch die politische Dimension ist relevant: Die Regierung Meloni hat die Strategie von MPS hin zu einem dritten Bankenpol unterstützt und sich gegen den versuchten Erwerb von BPM durch UniCredit gestellt.
Die Märkte reagierten zurückhaltend. Banco BPM legte am 20. August um 0,66 Prozent zu, Banca Generali gewann 1,26 Prozent, während MPS-Aktien um 0,34 Prozent nachgaben und Unipol um 2,96 Prozent fiel, was die Unsicherheit über die Machbarkeit des Plans und die komplexe Eigentümerdynamik widerspiegelt.
Quellen
- [Rai News - MPS sfida Intesa, polo da 70 miliardi con BPM e Banca Generali](rainews.it)
- [ANSA - MPS lancia offerte su Banco BPM e Banca Generali per 34 miliardi](ansa.it)
- [Euronews - Monte dei Paschi: i dettagli dell'offerta per Banco BPM e Banca Generali](it.euronews.com)