Der australische Verbraucherpreisindex stieg im Jahr bis Juli um 3,5 Prozent, wie das Australian Bureau of Statistics am Dienstag mitteilte, und übertraf damit die Erwartungen der Ökonomen von 3,3 Prozent, obwohl sich die Gesamtrate von 3,8 Prozent im Juni abschwächte. Noch kritischer: Der von der Reserve Bank of Australia bevorzugte getrimmte Mittelwert blieb den dritten Monat in Folge bei 3,6 Prozent, was die Persistenz des zugrunde liegenden Preisdrucks deutlich über dem Zielband der Notenbank von 2 bis 3 Prozent unterstreicht.
Der monatliche CPI-Indikator, den die ABS veröffentlichte, zeigte einen Anstieg des ursprünglichen Index um 1,0 Prozent im Juli bzw. um 0,6 Prozent in saisonbereinigter Rechnung. Die Wohnkosten führten die breit angelegten Zuwächse mit einem Jahresanstieg von 5,0 Prozent an, während die Lebensmittelpreise weiter zur Aufwärtsdynamik beitrugen. Eine bemerkenswerte Verschiebung ergab sich in der Kategorie Verkehr, wo die Jahresteuerung von nur 0,1 Prozent im Juni auf 1,6 Prozent sprang, was teilweise auf den Auslauf der bundesstaatlichen Kraftstoffverbrauchsteuersenkung am 1. August zurückzuführen ist. Allein die Kraftstoffpreise stiegen im Juli laut der ABS-Veröffentlichung um 7,5 Prozent im Monatsvergleich.
Die Daten kommen zu einem sensiblen Zeitpunkt für die Geldpolitik. Die RBA pausierte in ihrer Sitzung am 12. August und beließ den Leitzins nach drei Erhöhungen Anfang 2026 bei 4,35 Prozent. Das am Montag veröffentlichte Protokoll dieser Sitzung zeigte, dass die Ratsmitglieder Aufwärtsrisiken für den Inflationsausblick einräumten. Gouverneurin Michelle Bullock hat wiederholt betont, dass die Dienstleistungsinflation und das zähe Lohnwachstum weiterhin zentrale Sorgen bleiben, auch wenn die Gesamtraten von ihren Höchstständen 2025 allmählich zurückgegangen sind.
Vor der Veröffentlichung des Juli-CPI zeigte eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen, dass rund 83 Prozent erwarteten, dass die RBA die Zinsen in ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 29. September unverändert lässt. Die heißer als erwartet ausgefallenen Daten haben diese Kalkulationen verschoben. David Bassanese, Chefökonom bei Betashares, bezeichnete das Ergebnis als "einen unglücklichen Schlag in die Magengrube für eine ohnehin schon kränkelnde Wirtschaft" und warnte, dass das Risiko einer Zinserhöhung im September nun bei 30 bis 40 Prozent liege. My Bui, Leiterin der Volkswirtschaft bei AMP, sagte, die RBA "wäre ziemlich besorgt" über die Persistenz der Dienstleistungsinflation und die Konzentration des Preisdrucks in zähen Kategorien.
Nicht alle Analysten stimmen zu. Callam Pickering, APAC-Ökonom bei Indeed, sagte, Australien habe zwar eindeutig ein Inflationsproblem, er erwarte jedoch nicht, dass die RBA in diesem Jahr die Zinsen erhöht. "Die Nachfrage übersteigt das Angebot und das Produktivitätswachstum ist absolut miserabel — das ist normalerweise kein Rezept für niedrige und stabile Inflation", sagte Pickering und fügte hinzu, dass der nächste Schritt mittelfristig eher nach oben als nach unten gehen dürfte.
Das Inflationsziel der RBA von 2 bis 3 Prozent, gemessen über den mittleren Zeitraum, bleibt fern. Da der getrimmte Mittelwert bei 3,6 Prozent festsitzt — deutlich über der Obergrenze des Zielbandes — und der Gesamt-CPI weiterhin erhöht ist, steht die Notenbank vor einem sich verengenden Fenster. Sie muss das Risiko einer weiteren Straffung gegen Anzeichen eines nachlassenden Haushaltskonsums und steigender Arbeitslosigkeit abwägen. Der nächste wichtige Datenpunkt wird die vierteljährliche Veröffentlichung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sein, die ein vollständigeres Bild der Konjunkturdynamik vor der September-Sitzung liefern wird.
Für Hypothekenschuldner und Unternehmen, die durch den Straffungszyklus 2026 bereits belastet sind, bieten die Juli-CPI-Daten wenig Trost. Was weithin als routinemäßiges Abwarten im September erwartet wurde, ist zu einer offenen Frage geworden, wobei die Entscheidung der RBA wahrscheinlich von der Entwicklung der monatlichen Inflationswerte und dem breiteren Wachstumsausblick in den kommenden Wochen abhängen wird.
Quellen
- [Consumer Price Index, Australia, July 2026 — Australian Bureau of Statistics](abs.gov.au)
- [Inflation slows again in July but heightens risk of interest rate hike by RBA — ABC News Australia](abc.net.au)