Fed-Gouverneur Christopher Waller sagte am Mittwoch, er neige dazu, ein unverändertes Leitzinsniveau bei der Fed-Sitzung am 15.-16. September zu unterstützen — allerdings nur, wenn der nächste Woche anstehende Inflationsbericht für August bestätigt, dass sich der Disinflations-Trend fortsetzt. Seine Äußerungen drückten die Anleiherenditen nach unten und lösten eine breite Aktienrally aus, wobei der Dow Jones Industrial Average um 635 Punkte oder 1,19% stieg und die Zinserhöhungs-Wetten für September um rund 12 Prozentpunkte auf etwa 55% fielen.
„Wenn sich dies in den Daten fortsetzt, die in den nächsten zwei Wochen anstehen, würde ich dazu neigen, das Ziel für den Leitzins auf seinem aktuellen Niveau zu belassen“, sagte Waller und lieh sich eine Zeile von John Lennon: „Give disinflation a chance. We can wait one meeting.“
Der bedingte Charakter seiner Äußerungen ist die zentrale Erkenntnis. Waller räumte ausdrücklich ein, dass die Inflation weiterhin deutlich über dem 2%-Ziel der Fed liegt, mit den allgemeinen Verbraucherpreisen nahe 3,7% und der Kerninflation bei rund 3,3% im Juli. Seine Bereitschaft zu pausieren stellte er unter den Vorbehalt der kommenden Daten — nicht als Zusage für ein längeres Stillhalten. Sollten die August-Zahlen nach oben überraschen, signalisierte Waller, würde er nicht zögern, eine weitere Straffung zu unterstützen.
Diese Einschränkung rückt den nächsten Woche anstehenden Verbraucherpreisindex-Bericht für August in die entscheidende Position für die September-Entscheidung. Zinssensitive Anlagen — darunter Bauunternehmen für Eigenheime, langlaufende Treasuries und Wachstumsaktien — werden auf diese einzelne Zahl reagieren. Die Marktreaktion am Mittwoch spiegelte den Optimismus wider, dass die Fed von einer Erhöhung Abstand nehmen wird, doch die zugrunde liegende Unsicherheit bleibt: eine einzige stärker als erwartet ausfallende Inflationszahl könnte die Neubewertung vollständig umkehren.
Der Dow stieg und schloss bei rund 53.670, während der S&P 500 um 1,25% zulegte und der Nasdaq 100 um 1,46% stieg, was die stärkste Sitzung seit Anfang August markierte. Die Anleiherenditen gingen zurück, da Händler eine höhere Wahrscheinlichkeit eines Stillhaltens einpreisten. Die Rally war breit angelegt, wobei Industrie- und Finanzwerte zu den am besten abschneidenden Sektoren zählten.
Wallers tendenziell dovisiche Haltung vertieft zudem eine sichtbare Spaltung innerhalb der Fed selbst. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh signalisierte auf dem Jackson-Hole-Symposium des vergangenen Monats, dass er weitere Zinserhöhungen offen gegenüberstehe, falls sich die Inflation als hartnäckig erweise. Im Gegensatz dazu argumentierte Waller, dass die Geldpolitik nur leicht restriktiv sei und die Notenbank es sich leisten könne, auf die Bestätigung zu warten, dass sich die Disinflation durchsetzt. Die Divergenz innerhalb des FOMC fügt der September-Sitzung eine weitere Unsicherheitsebene hinzu, wobei das Ergebnis nun vollständig davon abhängt, ob die August-Daten mitspielen.
Quellen
- [AP News: The Fed's Waller says inflation report next week is pivotal in making call on rate hike](apnews.com)
- [24/7 Wall St.: The Fed's Waller Says He'd Hold Rates Steady -- But His If Is Doing a Lot of Heavy Lifting](247wallst.com)