US-Präsident Donald Trump hat am Freitag, dem 18. September, das Lindsey O. Graham Sanktionierungsgesetz gegen Russland und Iran von 2026 unterzeichnet und Washington damit die bislang weitreichendsten Instrumente an die Hand gegeben, um Moskau wegen seines andauernden Krieges in der Ukraine unter Druck zu setzen. Das Gesetz, formell bekannt als H.R. 5334, erlaubt Zölle von bis zu 100 Prozent auf die fünf größten Importeure von russischem Öl oder Erdgas und verlängert die bestehenden Sanktionen gegen Iran um fünf Jahre.
Das Gesetzespaket passierte den Senat im August mit 86-11 und wurde am 16. September vom Repräsentantenhaus mit 262-159 verabschiedet, beide Male mit breiter überparteilicher Mehrheit. Es wurde zu Ehren des verstorbenen Senators Lindsey Graham benannt, eines Republikaners aus South Carolina, der im Juli nach der Rückkehr von einer Reise in die Ukraine starb. Senator Richard Blumenthal aus Connecticut, ein Demokrat, war Mitverfasser des Gesetzes.
Was das Gesetz bewirkt
Kernstück ist eine Zollwaffe, die sich gegen Länder richtet, die Russlands Energiereinnahmen stützen. Das Gesetz weist den Präsidenten an, Abgaben von bis zu 100 Prozent auf Waren zu erheben, die aus den fünf größten Abnehmern von russischem Öl oder Erdgas eingeführt werden. Eine Ausnahme gilt für Staaten, die weniger als 15 Prozent der russischen Erdgasausfuhren importieren und bedeutende Schritte unternommen haben, um diese Abhängigkeit zu verringern. Nach Angaben des Centre for Research on Energy and Clean Air, kurz CREA, absorbierte China zwischen Dezember 2022 und August 2026 rund 50 Prozent der russischen Rohölexporte, Indien etwa 37 Prozent, und die Türkei und die Europäische Union machten jeweils rund 5 Prozent aus.
Über Zölle hinaus erweitert das Gesetz primäre und sekundäre Sanktionen gegen russische Amtsträger, Oligarchen, deren Familienangehörige, Banken und Finanzinstitute. Es zielt zudem auf Russlands sogenannte "Schattenflotte" von Tankern, die genutzt wird, um bestehende Sanktionen auf Energielieferungen zu umgehen. Das Weiße Haus erklärte, die Maßnahmen sollten Präsident Wladimir Putin die Ressourcen entziehen, die Moskau braucht, um seinen Militärfeldzug in der Ukraine fortzusetzen.
Eine separate Bestimmung verlängert das bestehende US-Sanktionsregime gegen Iran um fünf Jahre. Laut Berichten war diese Ergänzung entscheidend dafür, Trumps Unterstützung für das Gesetz nach monatelangen Verhandlungen zwischen dem Weißen Haus und der Kongressführung zu sichern.
Geopolitisches Timing und Bedenken
Die Unterzeichnung erfolgt sechs Tage, bevor Trump am 24. September den chinesischen Präsidenten Xi Jinping im Weißen Haus empfangen soll. Das Timing verschafft Washington neuen Hebel in den bilateralen Gesprächen, birgt jedoch auch das Risiko einer Eskalation der Spannungen mit Peking, das mit Abstand der größte Abnehmer russischer Energie ist. China hat sich wiederholt gegen das gewehrt, was es als einseitige Sanktionen ohne Genehmigung der Vereinten Nationen bezeichnet.
Das Gesetz hat Kritik von einigen demokratischen Abgeordneten auf sich gezogen, die warnten, die erweiterten Zollbefugnisse könnten über Russland hinaus eingesetzt werden. Gegner argumentierten, das Gesetz räume dem Präsidenten einen breiten Ermessensspielraum ein, um Strafzölle gegen Verbündete wie die Europäische Union zu verhängen, sollten diese als unzureichend konform mit dem Sanktionsrahmen gelten. Das Weiße Haus wies diese Bedenken zurück und betonte, die Zollbestimmungen des Gesetzes seien eng an russische Energieeinkäufe geknüpft.
Für europäische Raffinerien stellt sich unmittelbar die Frage, wie sich das Gesetz auf bestehende Lieferketten auswirken wird. Zwar importiert die EU insgesamt einen relativ bescheidenen Anteil russischen Rohöls im Vergleich zu asiatischen Abnehmern, doch einzelne Mitgliedstaaten beziehen russisches Öl weiterhin über Zwischenhändler. Jede Durchsetzung sekundärer Sanktionen könnte europäische Unternehmen zwingen, sich weiter von russischer Energie weg zu diversifizieren, ein Prozess, der durch das EU-Embargo nach der Invasion von 2022 bereits beschleunigt wurde.
Das Gesetz bildet den Abschluss von mehr als einem Jahr Kongressarbeit zu Russland-Sanktionen, ein Prozess, der wiederholt ins Stocken geraten war, während das Weiße Haus Flexibilität in seinem Vorgehen gegenüber Moskau wahren wollte. Nach der Unterzeichnung verfügt die Exekutive nun über einen gesetzlichen Rahmen, um den wirtschaftlichen Druck auf Russland und seine Energiekunden in einem selbst gewählten Tempo zu erhöhen.
Quellen
- [Reuters — Trump signs Russia sanctions bill into law](reuters.com)
- [NBC News — Trump signs sweeping new Russia sanctions bill](nbcnews.com)
- [The Guardian — Trump signs bill imposing sanctions on Russia](theguardian.com)
- [Anadolu Agency — Trump signs Russia sanctions bill into law](aa.com.tr)
- [GovTrack — H.R. 5334 text](govtrack.us)