Die UBS Global Wealth Management hat ihre Zinsprognose fuer die Vereinigten Staaten umgekehrt und erwartet nun, dass die US-Notenbank den Leitzins bei den Sitzungen im September und im Dezember 2026 jeweils um 25 Basispunkte anhebt. Diese Wende, die die Zielspanne von derzeit 3,50-3,75 Prozent auf 4,00-4,25 Prozent heben wuerde, markiert eine drastische Abkehr von der bisherigen Prognose der Bank, die bis zum Jahresende unveraenderte Zinsen vorsah.
Die am 7. September von InvestingLive gemeldete Revision nennt drei Gruende fuer die Kehrtwende. Erstens schlug Fed-Chef Kevin Warsh auf dem Jackson-Hole-Symposium am 28. August einen entschieden restriktiven Ton an und signalisierte, dass die Notenbank trotz nachlassenden Wachstums weitere Straffungen fuer moeglich haelt. Zweitens verwies die UBS auf anhaltende angebotsseitige Inflationsrisiken, darunter Lieferunterbrechungen und Preisdruck bei Rohstoffen, die den Preisauftrieb in den kommenden Quartalen hochhalten koennten. Drittens und am unmittelbarsten zeigte der am 5. September veroeffentlichte August-Arbeitsmarktbericht, dass die Wirtschaft 162.000 neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft schuf, weit ueber der Konsensprognose von etwa 56.000, waehrend die Arbeitslosenquote laut dem Bureau of Labor Statistics bei 4,1 Prozent unveraendert blieb.
Warum die August-Arbeitsmarktdaten die Rechnung veraendert haben
Die Staerke des August-Beschaeftigungszuwachses ist zentral fuer die revidierte Prognose der UBS. Der Zuwachs von 162.000 war mehr als doppelt so hoch wie der durchschnittliche monatliche Zuwachs der vorangegangenen 12 Monate, der laut dem Bureau of Labor Statistics bei nur 31.000 lag. Die Beschaeftigung stieg breit gefaechert in den Bereichen Gastronomie, Schankwirtschaft und lokale staatliche Bildung, waehrend der Informationssektor Verluste verzeichnete. Die Erwerbsquote stieg von 61,4 Prozent im Juli auf 61,6 Prozent, was darauf hindeutet, dass die Erholung des Arbeitsmarkts mehr Arbeitskraefte zurueck in den Arbeitsmarkt zieht und nicht bloss ein engeres Matching widerspiegelt.
Fuer die UBS schliesst diese Datenlage das Szenario aus, in dem ein schwaecherer Arbeitsmarkt der Fed Deckung fuer eine Pause geben wuerde. Stattdessen schafft die Kombination aus robusten Einstellungen und zaeher Inflation -- der Kernindex der persoenlichen Konsumausgaben liegt mit 3,7 Prozent im Jahresvergleich deutlich ueber dem Ziel von 2 Prozent -- eine Grundlage fuer die Notenbank, frueher statt spaeter zu handeln.
Was das fuer die Maerkte und das FOMC im September bedeutet
Die Marktpreise haben sich in dieselbe Richtung bewegt. Die implizite Wahrscheinlichkeit einer Anhebung um 25 Basispunkte bei der FOMC-Sitzung am 15.-16. September ist laut von InvestingLive zitierten CME-FedWatch-Daten auf rund 60 Prozent gestiegen. Die Renditen zweijaehriger Staatsanleihen sind im Gleichschritt geklettert, was die Neubewertung am kurzen Ende der Kurve widerspiegelt.
Dennoch ruft die UBS nicht zu einem aggressiven Straffungszyklus auf. Das Basisszenario der Bank bleibt, dass die Fed nur zweimal anhebt, bevor sie pausiert, und ihre Aktienstrategen argumentieren, dass das bullische Szenario fuer Aktien intakt ist. Aus Sicht der UBS duerfte ein massvoller Straffungspfad, sofern er von anhaltendem Gewinnwachstum begleitet wird, die breitere Aktienrally kaum entgleisen lassen. Das Hauptrisiko, so die Bank, besteht darin, dass sich die Inflation als hartnaeckiger erweist als erwartet und die Fed zu weiteren Schritten ueber die beiden derzeit prognostizierten hinaus zwingt.
Worauf zu achten ist
Zwei Datenveroeffentlichungen in den kommenden Tagen werden die Erwartungen praegen. Der am 11. September faellige Verbraucherpreisindex fuer August wird pruefen, ob sich das Inflationsbild weiter abgekuehlt hat oder zaeh geblieben ist. Die eigenen Projektionen des FOMC und Warshs Pressekonferenz nach der Sitzung am 16. September werden zeigen, ob die Mehrheit des Gremiums die Auffassung der UBS teilt, dass der Arbeitsmarkt hoehere Finanzierungskosten ohne scharfen Abschwung verkraften kann.
Vorerst verstaerkt die Kehrtwende der UBS einen wachsenden Chor grosser Finanzinstitute -- darunter Barclays, die am 31. August eine aehnliche Prognose abgab --, die argumentieren, dass die Aera der Zinsstabilitaet endet und der naechste Schritt der Fed eher eine Anhebung als eine Senkung sein duerfte.
Quellen
- InvestingLive -- UBS: two Fed hikes incoming, but equity bull case still intact -- investinglive.com
- Crypto Briefing -- UBS projects Fed rate hikes in September and December 2026 -- cryptobriefing.com
- U.S. Bureau of Labor Statistics -- Employment Situation Summary, August 2026 -- bls.gov